"Sternstunde" in Schlangen
Rotkreuz-Museum erhält mehr als 2000 Mini-Rettungsfahrzeuge aus Nachlass

 

Schlangen (Kar). Jürgen Reuter spricht von einer Sternstunde. Aus dem Nachlass eines privaten Sammlers sind dem Rotkreuz-Museum in Schlangen mehr als 2.000 Mini-Rettungsfahrzeuge übergeben worden.


Große Freude beim Rot-Kreuz-Museum: Nora Riediger hat der Einrichtung die 2000 Mini-Rettungsfahrzeuge ihres 2015 verstorbenen Vaters Gernot gespendet.

Auf diesen Augenblick hat Jürgen Reuter seit Tagen gewartet. Ein weißer Miet-Lieferwagen mit  Eckernförder Kennzeichen biegt in die Parkstraße ein. Kurz vor der Einfahrt zum Museum kommt der Wagen zum Stehen, nur Minuten später öffnet sich die Hecktür. „Ich komme mir vor wie ein Kind kurz vor der Bescherung“, sagt Reuter, der auch Leiter des Museums ist. Und seine Vorfreude wird nicht enttäuscht. Der Transporter ist  gefüllt mit vielen Kartons und Kisten. „Das also ist der Schatz“, kommentiert der 69-Jährige nach einem ersten Blick in das Innere des Fahrzeugs.

Fast herzlich fällt der Empfang von Nora Riediger aus. Am Morgen ist die 28-Jährige gemeinsamen mit ihrem Freund Dennis Groh von Köln aus Richtung Schlangen gestartet.

Nora Riedigers Vater Gernot war bis zu seiner Pensionierung Referatsleiter im Bundesverkehrsministerium gewesen. „Aus dieser Arbeit heraus hat sich sein besonderes Interesse  für das Rettungswesen entwickelt“, weiß seine Tochter im Gespräch mit Reuter zu berichten.

Gernot Riediger ist 2015 im Alter von 75 Jahren verstorben. In seinem umfangreichen Nachlass fand sich auch eine Sammlung von mindestens 2.000 Modellautos. „In der überwiegenden Mehrzahl handelt es sich dabei um kleine Transport- und Rettungsfahrzeuge mit dem Kennzeichen des Roten Kreuzes“, sagt Nora Riediger. „Manche hat mein Vater selbst erworben. Andere bekam er von guten Freunden und Verwandten geschenkt, die seine besondere Sammlerleidenschaft kannten.“

Nach etwa zehn Minuten ist der Transporter leer geräumt. Im  Eingang zum Museum reiht sich schnell eine Kiste an die andere. „Die Sichtung dürfte einige Monate dauern“, ist Gerd Timpe überzeugt. Der Sanitäter und Mitglied im DRK-Museumsverein saß selbst über viele Jahre am Steuer verschiedener Rettungs- und Einsatzfahrzeuge. Auf seine erfahrene ordnende Hand setzt Jürgen Reuter jetzt.

Kurz vor seinem Tode hat Gernot Riediger zwar noch versucht, die einzelnen Teile seiner Sammlung zu katalogisieren und anschließend eine Fotodokumentation zu erstellen. Das ehrgeizige Projekt blieb aber unvollendet.

Ein Verkauf der vielen Erinnerungsstücke kam für seine Tochter und Erbin von Anfang an nicht in Frage: „Das wäre keineswegs im Sinne meines Vaters gewesen. Bei der Suche nach sinnvollen Alternativen bin ich dann im Internet auf das Rotkreuz-Museum in Schlangen gestoßen.“  Schon nach der ersten Kontaktaufnahme sei für sie klar gewesen, die Sammlung in die Obhut von Jürgen Reuter und seines Teams zu geben.


Nora Riediger und ihr 2015 verstorbener Vater Gernot

„Ich gehe mit einem sehr guten Gefühl“, meint die 28-Jährige, kurz bevor sie die Heimreise nach Köln antritt. Jürgen Reuter würde sie gerne wieder in Schlangen begrüßen – „spätestens wenn wir die Sammlung Riediger erstmals der Öffentlichkeit präsentieren“.  Das dürfte aber noch einige Monate dauern, denn die Ausstellung soll gut vorbereitet sein. Auch einige neue Glasvitrinen werden Reuter zufolge zusätzlich noch benötigt.


Quelle:

Schlänger Zeitung
Schlangen
vom 13. 04. 2016
Foto: Klaus Karenfeld