Patriotisch-pathetische Spendenappelle
Als 1914 der erste Lazarettzug mit Verwundeten in der Badestadt eintraf

 

Bad Lippspringe/Schlangen. Vor 100 Jahren begann der erste Weltkrieg. Die Deutschen gaben sich anfänglich siegesgewiss. Unzählige Feldpostkarten zeugen von großer Euphorie. Das DRK-Museum in Schlangen hat 100 dieser bunt bebilderten Zeitdokumente zu einer Ausstellung zusammengetragen.

"Die Kriegsbegeisterung damals war allgemein groß und hat auch nicht vor dem Deutschen Roten Kreuz Halt gemacht", weiß Museumsleiter Jürgen Reuter zu berichten. Dem Hurra-Patriotismus hätte sich kaum jemand entziehen können. Spätestens Weihnachten 1914 wollten die Soldaten wieder daheim sein. Doch der Krieg entwickelte sich anders als vorhergesagt.


Jürgen Reuter präsentiert alte Feldpostkarten

Bereits am 3. September 1914 traf auf dem Bad Lippspringer Bahnhof ein Lazarettzug mit etwa 350 deutschen Kriegsverwundeten ein. Nur ein Teil der verletzten Soldaten konnten im örtlichen Marienstift untergebracht werden, eine größere Zahl musste auf das Cecilienstift sowie das St. Josef-Krankenhaus verteilt werden. Die Betreuung der Verwundeten oblag unter anderem der Bad Lippspringer Sanitätskolonne des Roten Kreuzes.

Der verstärkte Einsatz in Kriegszeiten stellte für die Hilfsorganisation auch eine finanzielle Herausforderung dar. Geld für Verbands- und Sanitätsmaterial wurde dringend benötigt. Und so kamen die seinerzeit Verantwortlichen des DRK auf die Idee, selbst gestaltete (Feld-)Postkarten herauszugeben. "Ein Exemplar kostete im Durchschnitt zehn Pfennige, die Hälfte des Erlöses sollte dem Deutschen Rote Kreuz und seiner Arbeit zugute kommen", erinnert sich Reuter bei Durchsicht der Unterlagen.

Etwa 100 Postkarten aus unterschiedlichen Ländern hat das DRK-Museum in Schlangen in den vergangenen Jahren zusammengetragen.

Auf den ersten Blick wird deutlich: Die Bild-Motive sind durchweg patriotisch, zuweilen auch pathetisch gehalten und verklären den Krieg als heldenhaftes Ereignis.

Oft schwingt auch ein religiöser Unterton mit, etwa wenn ein deutscher Rotkreuz-Sanitäter mit den Worten zitiert wird: "Vater im Himmel, erhalte und behüte unser Leben in Feindesland." Zum Jahreswechsel 1915/16 ist auf einer Rot-Kreuz-Karte kurz und bündig zu lesen: "Auf ein siegreiches Neujahr". In manch anderem Bild-Motiv findet sich sogar eine Spur Zärtlichkeit wieder. So zeigt eine Karte aus dem Kriegsjahr 1917, wie eine aufopferungsvolle Sanitätsschwester einem offenbar erschöpften Soldaten ein Glas Wasser reicht.

Die etwa 100 historischen Postkarten hat das Museumsteam inzwischen auf DIN-A-4-Papier vergrößert und für eine Ausstellung zusammen gestellt. "Erstmals zu sehen war die Postkarten-Sammlung am vergangenen Wochenende in Bad Rothenfelde. Der dortige DRK-Ortsverein feiert in diesem Jahr sein 10o-jährges Bestehen. Und wir waren dazu eingeladen", freut sich Reuter, der darin auch eine Anerkennung des DRK-Museums in Schlangen sieht.


Quelle:

Neue Westfälische
Bad-Lippspringe/Schlangen
vom 20. 08. 2014
Foto: Klaus Karenfeld