"Sammellust ist spürbar"
Gäste aus Brandenburg begeistert vom Rotkreuzmuseum

 

Schlangen (SZ). Ein wenig abenteuerlich mutet es schon an, das neueste Ausstellungsobjekt des Rotkreuz-Museums in Schlangen: eine Wiederbelebungsmaschine aus dem Jahr 1931. »Ich möchte auch gar nicht wissen, wie viele Menschen damit wirklich gerettet werden konnten«, sagt Leiter Jürgen Reuter.


Museumsleiter Jürgen Reuter und der Schatzmeister des Museumsvereins Michael Güttler (von rechts) präsentieren den Besuchern aus Brandenburg unter anderem die Wiederbelebungs-maschine, die seit neuestem die Rotkreuzgeschichtliche Sammlung in Schlangen ergänzt. Harald-Albert Swik, Dietmar Bacher und Rainer Schlösser (von links) sind beeindruckt von der Apparatur.

Er präsentierte die Maschine gestern Morgen einer Delegation des DRK-Kreisverbandes Fläming-Spreewald, der seit 1990 eine Partnerschaft zum DRK-Kreisverband Paderborn pflegt. Ein Besuch der Sammlung, die Jürgen Reuter in Schlangen zeigt, war für die Brandenburger schon deshalb selbstverständlich, weil sie in Luckenwalde ebenfalls ein Museum eingerichtet haben. Dessen Leiter, Rainer Schlösser, ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der 15 Rotkreuzmuseen in Deutschland. »Ich bin jetzt zum dritten Mal hier, aber immer wieder beeindruckt von der Vielfalt der Ausstellungsgegenstände, die in Schlangen präsentiert wird«, sagte er.

Er ist sich sicher, dass jeder Besucher, der rotkreuzlich aktiv ist, sich an vielen Stellen im Museum wiederfindet. »Es gibt hier so viele Dinge, mit denen man einfach in Berührung kommen muss, wenn man sich für die Tätigkeit des Roten Kreuzes interessiert«, meint er. Die Sammlung, die Jürgen Reuter zunächst in seinem Privathaus in Bad Lippspringe präsentiert hatte, sei auch Vorbild für die Einrichtung des Museums in Luckenwalde gewesen. »Er hat uns aus seinem Fundus an Dubletten auch den Grundstock der Sammlung zur Verfügung gestellt«, freut sich Schlösser über die intensive Partnerschaft.

Das unterstreicht auch Harald-Albert Swik, Kreisvorsitzender in Fläming-Spreewald. »Unsere Partnerschaft mit Paderborn wird in vielen Bereichen von vielen Menschen mit Leben gefüllt. Deshalb ist sie auch die einzige aus der Wendezeit, die heute noch existiert und 2015 ihr 25-jähriges Bestehen feiern kann.« Auch für ihn ist es nicht der erste Besuch der rotkreuzgeschichtlichen Sammlung, die seit gut einem Jahr in der Parkstraße in Schlangen beheimatet ist. Zum ersten Mal hingegen ist Dietmar Bacher im Museum zu Gast. Der Präsident des Kreisverbandes Fläming-Spreewald, der zugleich Vizepräsident des Landesverbandes Brandenburg ist, ist sichtlich beeindruckt. »Hier spürt man, wie auch bei uns in Luckenwalde, die ungebremste Sammellust derjenigen, deren Herzblut in diesen Sammlungen steckt«, sagt er. Rotkreuzgeschichtliche Sammlungen seien wichtig, weil sie den Menschen zeigten, wie groß und nachhaltig die Organisation sei, die vor dem Hintergrund der aktuellen internationalen Konflikte wichtiger denn je sei. »So ein Museum erdet«, meint Bacher. Er würde es begrüßen, wenn noch mehr Schulklassen durch die Sammlungen geführt würden.

Jürgen Reuter freut sich derzeit tatsächlich über stetig wachsende Besucherzahlen in der Parkstraße. »Ein Museumsbesuch ist gerade erst zum festen Bestandteil der Schwesternausbildung gemacht worden«, berichtet er stolz. In der kommenden Woche könne er wieder eine Schülerinnengruppe aus Münster begrüßen. Denen wird er auch die Wiederbelebungsmaschine vorführen, von der er gleich zwei Exemplare von Ortsverbänden aus dem Sauerland erhalten hat. Hergestellt wurde sie damals von der Bielefelder Firma Römmerda. »Die Gebrauchsanleitung liest sich schon abenteuerlich«, berichtet Reuter. Der »Scheintote« sei auf der Liege festgezurrt worden. Zwei Riemen hätten die Arme auf beweglichen Schienen fixiert, ein weiterer breiter Gurt sei über der Brust des Patienten befestigt gewesen. »Dann hat jemand den Mechanismus betätigt, der dafür gesorgt hat, dass gleichzeitig die Arme des Patienten angehoben und über den Brustgurt Druck auf seinen Oberkörper ausgeübt wurde«, erläutert der Fachmann seinen staunenden Besuchern.


Quelle:

Schlänger Zeitung
Schlangen
vom 30. 07. 2014
Foto: Maike Stahl