Ein Stück Weltgeschichte in Schlangen
Jürgen Reuter baut mit Ehrenamtlichen ein Museum zur Gechichte des Roten Kreuzes auf

 

In Schlangen entsteht ein Rotkreuz-Museum für ganz Westfalen-Lippe. Jürgen Reuter (65) stellt hierfür seine Sammlung zur internationalen und deutschen Geschichte des Roten Kreuzes zur Verfügung.
 


Beliebte Sammelobjekte: Jürgen Reuter zeigt die Modellbaufahrzeuge im Flur des ersten Stocks,
die die gesellschaftliche Relevanz der Hilfsorganisation unter Beweis stellen.

Schlangen. Anfang 2010 hatte die Gemeinde dem Verein „Rotkreuzgeschichtliche Sammlung in Westfalen-Lippe e.V.” das Gebäude an der Parkstraße 18 überlassen. Doch ein Wasserschaden warf die ehrenamtliche Arbeit erst einmal weit zurück. Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen mussten erfolgen. Inzwischen – und vor allem mit Hilfe engagierter Helfer aus großem Umkreis – sind nicht nur die Schäden behoben, sondern auch andere bauliche Veränderungen vorgenommen worden.

Jetz hat sich das Haus mit tausenden gesammelten Exponaten gefüllt, die Jürgen Reuter in Jahrzehnten auf seinem Dachboden aufbewahrt hatte. Sechs Mal war der Bad Lippspringer als Delegierter des Internationalen Roten Kreuz im Ausland, das erste Mal 1969. Ob Europa. Asien oder Afrika - Andenken brachte sich Reuter immer mit.

Zufällig sah er einmal, wie alle Rotkreuz-Gegenstände von einem verstorbenen Mitglied achtlos weggeworfen wurden. „Damals stand für mich fest – das muss gesammelt werden.“ 1997 stellte der frühere Lehrer am Bonifatius-Förderzentrum in Paderborn seine Sammlung im Eigenheim zur Besichtigung von kleinen DRK-Gruppen zur Verfügung – und erhielt noch mehr Exponate.

2007 wurde der Museumsverein gegründet; 80 Einzelpersonen sowie 30 DRK-Orts- und Kreisvereine sind Mitglied. Von Reuters Traum, einem Museum, hörte der Schlänger Bürgermeister Ulrich Knorr nebenbei – und setzte Hebel in Bewegung. Bis das Museum 2013 offiziell eröffnet wird, ist für die Ehrenamtlichen allerdings noch einiges zu tun.

Der frühere Kohlenkeller ist bereits gut gefüllt – von alten Verbandskisten bis zu neuen Blutspende-Plakaten. Vieles ist doppelt vorhanden und kann für Wanderausstellungen verwendet werden. 7000 Arbeitsstunden stecken laut Reuter bislang im Gebäude. Material und einige Handwerkerleistungen mussten bezahlt werden – im Vorfeld hatte der Verein Spenden gesammelt.

Was macht das Museum so interessant? Jürgen Reuter bringt es auf den Punkt: „Die Geschichte des Roten Kreuzes ist eng mit der Weltgeschichte verbunden.“ Sein originellstes Stück: eine Originalzeitung aus dem Jahr 1859: eine New York Times mit einem Bericht von der Schlacht von Solferino, deren Zeuge Henri Dunant wurde. Hier beginnt die Geschichte des Roten Kreuzes.

 

Die Sammlung

Das Museumskonzept hatten Prof. Dieter Riesenberger und Wulff Brebeck erarbeitet. Im Erdgeschoss wird die Geschichte des Deutschen Rotes Kreuzes sowie der ausländischen Rotkreuz-Gesellschaften anhand von Exponaten, Dokumenten und Literatur verdeutlicht. Im ersten Stock sind Spielzeugmodelle zu finden. Weitere Themen sind das Jugendrotkreuz, Ausbildung, Militär und Katastrophenschutz sowie Blutspende. Hier ist auch noch Platz für einen Vortragsraum. Im ausgebauten und inzwischen gut gedämmten Dachboden lagert das Depot. Der Verein verwaltet auch Nachlässe von Führungskräften beim Roten Kreuz. Neue Sachen werden ins Magazin gebracht, eventuell repariert und dann gelagert. Das Gebäude hat eine Ausstellungsfläche von 212 Quadratmetern.

 

Zwischenruf von Cordula Gröne

Die Nase vorn
Was da Ehrenamtliche, insbesondere Sammler und Motor Jürgen Reuter, in jahrelanger Arbeit in Schlangen auf die Beine stellen, ist beachtenswert. Die nächsten Rotkreuz-Museen gibt es in Essen und in der Eifel, aber eben noch nicht in der Region. Da hatte Schlangen die Nase vorn vor der Stadt Bad Lippspringe. Von hier aus geht der Blick zurück in die deutsche Geschichte und darüber hinaus in die Welt. Mit völlig anderen Exponaten, aber auch mit Blick in die Vergangenheit, hat der Heimatverein Schlangen seine Sammlung im Haus Fischer untergebracht. Und das nur einige Meter Luftlinie entfernt. Die Schlänger können stolz auf so viel Engagement im Ort sein.

 

Quelle:

Lippische Landeszeitung
Schlangen
vom 31.. 08. 2012
Foto: Cordula Gröne